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Werkzeuge

Kreativitätstechniken im Betrieb: Brainstorming und laterales Denken

Brainstorming, Brainwriting, laterales Denken und Cluster im Vergleich: Wann welche Technik im Betrieb passt, wie der Ablauf aussieht und wie aus vielen Einfällen eine Auswahl wird.

Ideenrunden im Betrieb laufen oft nach demselben Muster ab: Eine Stunde im Besprechungsraum, zwei Personen reden, der Rest nickt, am Ende hängt ein Flipchart mit fünf naheliegenden Vorschlägen. Dieser Beitrag richtet sich an Geschäftsführende und Führungskräfte, die einen Ideenworkshop vorbereiten, etwa zu einem neuen Angebot, zu Abläufen oder zur Zusammenarbeit im Team. Er erklärt vier Werkzeuge: Brainstorming, Brainwriting, laterales Denken und das Ordnen von Ideen in Clustern. Dazu kommen eine Entscheidungshilfe, welche Technik wann passt, und ein Ablauf für den Workshop selbst.

Zur Quellenlage: Brainstorming stützt sich auf das Lexikon der Wirtschaft der Bundeszentrale für politische Bildung, Brainwriting, Kartenabfrage und Punktabfrage auf den Methodenkoffer der bayerischen Schulentwicklung. Diese Methodenblätter sind für Schulentwicklungsprozesse geschrieben; die Verfahren lassen sich ohne Weiteres auf einen Betriebsworkshop übertragen. Der Abschnitt zum lateralen Denken enthält dagegen keine Quellenangaben, sondern Übungsvorschläge. Nicht behandelt werden digitale Whiteboard-Programme und die Frage, wie eine ausgewählte Idee zur Maßnahme wird; das ist Thema in Strategieumsetzung messen.

Erst die Suchfrage, dann die Technik

Jede Technik liefert nur dann brauchbare Ergebnisse, wenn alle dieselbe Frage bearbeiten. Auch die Kartenabfrage im Methodenkoffer der bayerischen Schulentwicklung beginnt damit, dass ein inhaltsorientierter Arbeitsauftrag oder eine Fragestellung vorgegeben wird. Das lässt sich auf jede andere Methode übertragen.

Beispiel: „Wie steigern wir den Umsatz?“ ist zu weit. „Wie bekommen Stammkund:innen schneller ein Angebot von uns?“ lässt sich bearbeiten, weil jede Idee daran gemessen werden kann. Wer die Frage nicht in einem Satz aufschreiben kann, ist noch nicht bereit für den Workshop. Dann hilft zuerst die Analysearbeit, wie sie in Strategiearbeit für KMU beschrieben ist.

Hängen Sie die Frage sichtbar auf und lesen Sie sie zu Beginn jeder Runde noch einmal vor. Das kostet zehn Sekunden und verhindert, dass die Gruppe nach zwanzig Minuten über ein Nachbarthema diskutiert.

Brainstorming: schnell, mündlich, mit einer harten Regel

Das Lexikon der Wirtschaft der Bundeszentrale für politische Bildung (Lizenzausgabe von „Duden Wirtschaft von A bis Z“, 2016) beschreibt Brainstorming als Technik der Ideenfindung in der Gruppendiskussion. Jede teilnehmende Person soll ihre Gedanken zum betrieblichen Problemfeld völlig frei äußern. Auch zunächst „unsinnige“ oder „nicht durchführbare“ Lösungen werden aufgenommen, Kritik an den Vorschlägen ist während der Diskussion nicht erlaubt. Bewertet werden die Ideen erst in einem weiteren Schritt, nämlich hinsichtlich ihrer Tauglichkeit zur Problemlösung.

Die Regel ist leicht gesagt und schwer durchgehalten. In der Praxis genügt ein einziger Satz wie „Das haben wir schon probiert“, und die Runde verstummt. Legen Sie deshalb vorab fest, wer die Regel bewacht, und halten Sie jede Wortmeldung fest, bevor Sie darüber sprechen. Eine Moderation durch jemanden, der das Thema nicht selbst verantwortet, hilft dabei.

Brainstorming eignet sich nach unserer Einschätzung, wenn die Gruppe klein ist, sich kennt und schnell sammeln soll. Die naheliegende Schwäche ist eine Erfahrung aus der Praxis und keine Quellenaussage: Wer am lautesten oder am ranghöchsten ist, setzt leicht den Ton. Wenn Führungskräfte dabei sind, sollten sie ihre eigenen Vorschläge deshalb erst am Ende einbringen.

Brainwriting: Ideen aufschreiben statt zurufen

Der Methodenkoffer der bayerischen Schulentwicklung beschreibt Brainwriting als Methode, bei der in Form einer Tabelle möglichst viele Ideen gesammelt und von den Teilnehmenden weiterentwickelt werden. Als Zeitfaktor nennt er 30 Minuten, als Gruppengröße sechs Personen.

So läuft es nach dem Methodenkoffer ab: Jede Person schreibt drei eigene Ideen auf ihr Blatt, dann geht das Blatt an die nächste Person, die diese Ideen weiterentwickelt und Details vorschlägt. Das Formular hat drei Spalten und sechs Zeilen; gereicht wird so lange, bis jede Person jedes Formular bearbeitet hat. Sechs Teilnehmende entwickeln dabei höchstens 108 Lösungsvorschläge (6 x 3 x 6). Während des Schreibens soll möglichst nicht diskutiert und gesprochen werden. Teilnehmerzahl (vier bis acht) und Zeit pro Runde (üblicherweise fünf Minuten) lassen sich variieren. Zur Auswertung erfolgt anschließend eine Analyse aller Vorschläge auf ihre Brauchbarkeit.

Aus dem Ablauf ergibt sich ein praktischer Vorteil, den die Quelle nicht eigens ausweist: Jede Person hat ihre Ideen auf dem Blatt stehen, bevor jemand anderes spricht. Wer im Brainstorming selten zu Wort kommt, ist damit nicht schlechter gestellt.

Rechnen Sie bei der Auswertung damit, dass sich Ideen wiederholen, wenn viele Blätter dieselbe Frage bearbeiten. Führen Sie gleiche Vorschläge zusammen, bevor Sie sie bewerten, und notieren Sie, wie oft eine Idee vorkam. Eine Idee, die mehrere Personen unabhängig voneinander aufgeschrieben haben, verdient einen zweiten Blick, ist aber nicht automatisch die beste. Bereiten Sie das Formular vor dem Termin vor, am einfachsten als Papiervorlage mit den drei Spalten und den Namen der Teilnehmenden in der ersten Spalte.

Laterales Denken: Annahmen bewusst brechen

Brainstorming und Brainwriting sammeln, was der Gruppe ohnehin einfällt. Laterales Denken meint hier, bewusst vom gewohnten Denkweg abzuweichen, um Lösungen zu finden, die auf dem geraden Weg nicht auftauchen. Zu dieser Technik nennt dieser Beitrag keine Quelle; die folgenden Schritte sind Übungsvorschläge, die Sie ausprobieren und anpassen können.

Übung 1, Annahmen umkehren: Schreiben Sie fünf bis zehn Annahmen auf, die in Ihrem Ablauf als selbstverständlich gelten. Wählen Sie eine aus und formulieren Sie ihr Gegenteil. Beispiel (erfunden): Ein Handwerksbetrieb sucht nach Wegen, Rückmeldungen von Kund:innen zu erhalten. Die Annahme „Kund:innen füllen einen Bogen aus“ wird umgekehrt zu „Kund:innen füllen nichts aus“. Daraus können Ideen entstehen, wie ein kurzer Anruf des Teams nach Abschluss des Auftrags. Das Beispiel zeigt nur das Vorgehen.

Übung 2, Zufallswort: Bestimmen Sie ein Wort, das mit dem Thema nichts zu tun hat, etwa durch Blättern in einem Wörterbuch, und verknüpfen Sie es mit der Suchfrage. Fragen Sie: Was an diesem Wort könnte uns bei der Frage helfen? Wichtig ist, dass das Wort tatsächlich zufällig bestimmt wird. Sonst nimmt man leicht eines, zu dem man schon eine Idee im Kopf hat.

Beide Übungen erzeugen zunächst Unsinn. Gehen Sie damit um wie im Brainstorming: aufschreiben, nicht bewerten, später prüfen, ob in der Idee ein brauchbarer Kern steckt. Planen Sie für solche Runden mehr Anleitung und Zeit ein als für ein einfaches Sammeln, und probieren Sie eine Übung zuerst an einem harmlosen Thema aus, bevor Sie sie an einer echten Frage einsetzen. Wer die Übung für Zeitverschwendung hält, braucht eine kurze Erklärung, wozu sie dient.

Ideen ordnen und auswählen: Cluster und Punkte

Nach der Sammlung stehen Dutzende Einfälle im Raum. Die Kartenabfrage aus dem Methodenkoffer ist dafür ein gängiges Muster. In der Variante für das Plenum notiert jede Person drei bis fünf Stichworte auf Karten. Der Reihe nach stellen alle ihre Stichworte vor und heften die Karten an die Pinnwand; wer später dran ist, versucht, die Stichworte den bereits hängenden zuzuordnen. So entstehen Cluster, die gemeinsam überarbeitet werden, danach werden Oberthemen gefunden. In Kleingruppen sind es drei bis vier Personen, die sich auf die wichtigsten Karten einigen, höchstens 40 je Gruppe.

Zur Auswahl beschreibt der Methodenkoffer die Mehrpunktabfrage. Ziel ist eine sachliche und transparente Priorisierung, damit alle den Entscheidungsprozess nachvollziehen können. Die Moderation schreibt die Gewichtungsfrage über die Themen, etwa „Welchen Vorschlag können wir sofort umsetzen?“. Pro Person gibt es halb so viele Klebepunkte wie Oberthemen, bei vier Oberthemen also zwei. Für die Bepunktung sind pro Person etwa eine Minute vorgesehen.

Die Gewichtungsfrage entscheidet über das Ergebnis. „Was ist uns am wichtigsten?“ und „Was können wir sofort umsetzen?“ führen oft zu verschiedenen Siegern. Legen Sie deshalb vorab fest, welche Frage gilt. Fotografieren Sie die Wand, bevor Sie sie abräumen, und halten Sie fest, welche Karten unter welchem Oberthema hingen. So bleibt nachvollziehbar, woher die Auswahl kam, auch wenn später jemand fragt.

Welche Technik wann: ein Überblick

Die Tabelle fasst die Angaben aus den genannten Quellen zusammen. Die Spalten „Eignet sich“ und „Achtung“ sind, soweit nicht anders vermerkt, unsere Einschätzung aus diesen Angaben und aus der Praxis, keine Messung.

TechnikEignet sichAchtung
Brainstormingkleine, eingespielte Gruppe; schnelle SammlungKritik während der Sammlung nicht erlaubt (bpb); laute Stimmen dominieren leicht
Brainwritingvier bis acht Personen (Methodenkoffer); wenn alle gleichermaßen beitragen sollenIdeen wiederholen sich; Vorschläge vor der Bewertung zusammenführen
Laterales Denkenwenn naheliegende Lösungen ausgeschöpft sindbraucht Anleitung und etwas Übung
Cluster und Punktenach jeder SammlungGewichtungsfrage vorab festlegen (Methodenkoffer)

Ablauf eines Ideenworkshops

Ein Workshop lässt sich mit diesen Schritten aufbauen. Die Zeiten richten Sie nach Gruppe und Thema; die Quellen geben nur für einzelne Teile Richtwerte an.

  1. Suchfrage in einem Satz formulieren und schriftlich festhalten.
  2. Teilnehmende auswählenWer kennt das Problem aus dem Alltag, wer sieht es von außen?
  3. Regeln nennenWährend der Sammlung keine Kritik, auch „unsinnige“ Vorschläge werden notiert.
  4. Erst schreiben, dann sprecheneine Brainwriting-Runde als Einstieg, danach offenes Brainstorming.
  5. Bei festgefahrenen Themen eine laterale Runde einschieben, in der eine Annahme umgekehrt oder ein Zufallswort mit der Frage verknüpft wird.
  6. Karten clustern, Oberthemen benennen, Doppelnennungen zusammenführen.
  7. Gewichtungsfrage festlegen und Punkte kleben lassen.
  8. Ergebnis, Verantwortliche und nächsten Termin schriftlich festhalten.

Am Ende steht keine fertige Lösung, sondern eine begründete Auswahl, die jemand weiterverfolgt. Wo es im Betrieb um Abläufe geht, bietet sich als Anschluss Prozesse im Betrieb aufnehmen an.

Typische Stolpersteine bei der Moderation

Drei Fehler treten in Ideenworkshops immer wieder auf, und alle lassen sich durch Vorbereitung vermeiden. Erstens fehlt eine Person, die den Ablauf führt und selbst nicht inhaltlich mitredet. Teilen Sie die Rollen vorab ein: eine Moderation, eine Schriftführung und Teilnehmende, die nur ihre Ideen einbringen. Zweitens wird nach der Sammlung sofort entschieden, ohne die Ideen zu ordnen. Das kann Vorschläge begünstigen, die zuletzt genannt wurden. Drittens bleibt das Ergebnis ohne Verantwortliche liegen. Schon eine einzige Zeile mit Name und Termin verändert das.

Prüfen Sie nach dem Workshop, ob die Teilnehmenden die Methode als hilfreich erlebt haben. Eine kurze Rückfrage reicht: Was hat geholfen, was hat gestört? Die Antworten sind die beste Grundlage für den nächsten Termin. Beginnen Sie mit einem kleinen, klar umrissenen Thema, bevor Sie die Methoden an strategischen Fragen einsetzen; so gewinnen Moderation und Gruppe Routine, ohne dass viel auf dem Spiel steht.

Quellen

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