
Strategiearbeit
Strategieumsetzung messen: Meilensteine und Kennzahlen
KPIs (Key Performance Indicators) sind Leistungskennzahlen.
Warum Strategieumsetzung ohne Messgrößen blind bleibt
KPIs (Key Performance Indicators) sind Leistungskennzahlen. Sie machen Fortschritt bei strategischen oder operativen Zielen messbar, bewerten Erfolg objektiv und zeigen Entwicklungen frühzeitig – im ganzen Unternehmen wie in einzelnen Abteilungen. Ihr Nutzen: Prioritäten setzen, Ziele konkret und überprüfbar formulieren, Fortschritt sichtbar machen, Mitarbeitende motivieren, Entscheidungen datenbasiert treffen.
Der Nutzen von KPIs hängt am Rhythmus der Überprüfung. In einem dynamischen Umfeld helfen sie nur, wenn regelmäßig reflektiert wird, ob die Kennzahlen noch zur Strategie passen. Wer das Set einmal festlegt und nie hinterfragt, misst weiter, was früher relevant war, und steuert mit veralteten Informationen.
Vorteile und Risiken von KPIs in der Strategieumsetzung
- VorteilePrioritäten setzen, Fortschritt sichtbar machen, datenbasierte Entscheidungen, Motivation der Mitarbeitenden
- RisikenVeraltete Kennzahlen, wenn nicht regelmäßig überprüft; Fokus auf falsche Indikatoren bei unklarer Zieldefinition
Meilensteine: Etappen für den Umsetzungsfortschritt
Ein groß angelegtes Beispiel ist die Wiener Wirtschaftsstrategie WIEN 2030 – Wirtschaft & Innovation. Seit dem Start 2019 arbeitet Wien kontinuierlich am Wirtschaftsstandort, mehr als 100 Leitprojekte wurden entwickelt. Sie decken Innovation, Digitalisierung, Klimaschutz und die Stärkung der Infrastruktur ab; im Zentrum stehen Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen.
Nach Angaben der Stadt wurden in diesem Rahmen viele tausend Menschen in Zukunftsberufen qualifiziert. 2024 wurde die ehemalige TU-Wien-Rektorin Sabine Seidler zur MINT-Beauftragten Wiens bestellt. Ein neues Fachkräftezentrum rund um den waff schätzt den künftigen Fachkräftebedarf ein, und bei der Wirtschaftsagentur wurde ein international ausgerichtetes Standortmarketing eingerichtet.
Meilensteine setzen an solchen Leitprojekten und ihren Arbeitspaketen an. Sie markieren überprüfbare Zwischenziele – etwa Fertigstellung, Inbetriebnahme oder Übergabe – und zeigen, ob die Umsetzung im Plan liegt. So machen sie den Umsetzungsfortschritt sichtbar, sagen aber nichts über die Wirkung einer Maßnahme. Erst im Verbund mit Kennzahlen, die Wirkung abbilden, werden aus Meilensteinen Steuerungsinformationen statt bloßer Statusberichte.
Meilensteine der Wiener Wirtschaftsstrategie WIEN 2030
- 2019Start der Wiener Wirtschaftsstrategie WIEN 2030 – Wirtschaft & Innovation
- 2024Bestellung von Sabine Seidler als MINT-Beauftragte Wiens
- 2024Einrichtung eines Fachkräftezentrums zur Schätzung des künftigen Fachkräftebedarfs
- 2024Einführung international ausgerichtetes Standortmarketing bei der Wirtschaftsagentur Wien
Von Zielen zu Kennzahlen – nicht umgekehrt
Am Anfang steht die Festlegung des Projekt- oder Strategieziels. Das Ziel bestimmt indirekt, welche Kennzahlen zur Messung nötig sind: Bei konkreten Einsparungen dominieren quantitative Faktoren, meist in Euro, Arbeitszeit (FTE = full time equivalent), Durchlaufzeiten und Ähnlichem. Solche Kennzahlen lassen sich zu Projektbeginn vergleichsweise leicht erheben und bis zum Projektende fortlaufend vergleichen.
Voraussetzung ist, dass die Ziele im Projekt realistisch erreichbar sind. Sind die Zielwerte schon vor Projektbeginn viel zu hochgesteckt, ist der Frust im Projekt vorprogrammiert. Unabhängig vom Ziel gilt: KPIs sind nur sinnvoll, wenn sie zielorientiert, nachvollziehbar und vergleichbar sind.
Wenige aussagekräftige Kennzahlen statt Datenflut
Die Auswahlfrage lautet nicht „Was lässt sich alles messen?“, sondern: Welche Kennzahlen tragen eine eindeutige Aussage zum Erfolg oder Misserfolg bei? Erheben Sie nur Kennzahlen, die eine eindeutige Aussage zum Projekterfolg oder -misserfolg beitragen – alle anderen bedeuten Mehraufwand ohne Nutzen. Unterscheiden Sie reine Aktivitätskennzahlen, etwa die Anzahl versendeter E-Mails, von Ergebniskennzahlen wie einer Conversion Rate; Aktivitätszahlen sind oft deutlich weniger aussagekräftig.
Für ein funktionierendes Controlling sind vier Anforderungen zu erfüllen: hohe Aussagekraft, einheitlicher Maßstab zur Ermittlung, Nachvollziehbarkeit der Erhebung und eine sinnvolle, also schlanke Anzahl an Kennzahlen. Sollen Teilprojekte mit vergleichbaren Zielen untereinander verglichen werden, müssen für sie dieselben Kennzahlen gelten.
Aktivitätskennzahlen vs. Ergebniskennzahlen
- Aktivitätskennzahl
- Anzahl versendeter E-Mails
- Ergebniskennzahl
- Conversion Rate
Anforderungen an aussagekräftige Kennzahlen
- Hohe AussagekraftTrägt direkt zum Erfolg oder Misserfolg bei
- Einheitlicher MaßstabGleichartige Erhebungsmethodik über alle Abteilungen
- NachvollziehbarkeitDokumentierte Herkunft und Berechnung der Werte
- Schlanke AnzahlNur essenzielle Kennzahlen verwenden
Auch weiche Faktoren messbar machen
Bei qualitativen Faktoren ist die Festlegung von Kennzahlen schwieriger als bei quantitativen Größen. Oft handelt es sich um weiche Ziele wie „Verbesserung der Teamarbeit“ oder „Mitarbeiterzufriedenheit“. Messbar werden sie, wenn ein Vergleich zwischen Projektbeginn und Projektende möglich ist: Betroffene Personen werden vor Projektbeginn zu festgelegten Kriterien befragt (Null-Linien-Messung), nach Projektende werden genau dieselben Kriterien erneut geprüft.
Mitarbeiterzufriedenheit zeigt: Nicht alle KPIs sind rein finanziell. Ein Kennzahlenset, das nur Umsatz, Marge und Conversion Rate führt, lässt einen wesentlichen Teil dessen, was eine Strategie bewirken soll, unbearbeitet.
Meilensteine und Kennzahlen in den Steuerungszyklus einbinden
Umsetzung ist ein wiederkehrender Prozess, kein einmaliges Projekt: Fortschritt messen, Ergebnisse reflektieren, Kennzahlen regelmäßig auf ihre Passung zur Strategie prüfen und Schwerpunkte nach einer Evaluierung neu setzen. Die Wiener Wirtschaftsstrategie zeigt diesen Ablauf in der Praxis.
Fünf Jahre nach Beginn der Strategieumsetzung zeigte ihre Evaluierung, dass sich die Spitzenthemen selbst in den jüngsten Krisen als robust und zukunftsträchtig erwiesen haben und die in Gang gesetzten Leitprojekte bereits maßgeblich zur positiven Entwicklung der regionalen Wirtschaft beitragen. Darüber hinaus wurden neue Schwerpunkte identifiziert und die Umsetzung weiterer Leitprojekte auf den Weg gebracht.
Nach den umfassenden Reformen der Jahre 2000, 2010 und 2017 beauftragte das Wirtschaftsparlament der WKÖ im November 2025 die WKO-Reform 2026. Im Juli 2026 empfahl der Rechnungshof der Wirtschaftskammer, zügig grundlegende Strukturreformen zu initiieren und Parallelstrukturen zu minimieren, mit dem Ziel einer übersichtlichen und für die Mitglieder nachvollziehbaren Organisationsstruktur; zudem ortet er Defizite bei Steuerung und Aufsicht.
Steuerungszyklus für strategische Umsetzung
- Fortschritt messenRegelmäßige Überprüfung von Meilensteinen und Kennzahlen
- Ergebnisse reflektierenAnalyse von Abweichungen und Ursachen
- Kennzahlen prüfenAuf ihre Relevanz für die aktuelle Strategie hin untersuchen
- Schwerpunkte neu setzenBasierend auf Evaluierung und veränderten Rahmenbedingungen
Faktenbasis und Nachvollziehbarkeit absichern
Die amtliche Statistik schafft eine faktenbasierte Grundlage für politische Strategien und wirtschaftliche Entscheidungen. Für die eigene Messung folgt daraus dieselbe Disziplin: einheitlicher Maßstab bei der Ermittlung der Kennzahlen, nachvollziehbare Erhebung und dokumentierte Herkunft, damit Werte über Perioden und zwischen Einheiten vergleichbar bleiben.
Ein Prüfbefund des Rechnungshofs zur Wirtschaftskammerorganisation zeigt die Folgen fehlender Dokumentation: 2024 wurden 25,73 Millionen Euro an Funktionsentschädigungen ausbezahlt, wobei nicht nachvollziehbar dokumentiert war, wie sie bemessen wurden. Ohne nachvollziehbare Herkunft sind Zahlen nicht überprüfbar – und als Kennzahl für Meilensteine und Strategiesteuerung wertlos.


