
Finanzplanung
Kapitalbedarf und Finanzierungsquellen abgleichen
Kapitalbedarf und Finanzierungsquellen gehören in dieselbe Gegenüberstellung.
Warum der Abgleich über die Finanzierung entscheidet
Kapitalbedarf und Finanzierungsquellen gehören in dieselbe Gegenüberstellung. Dem Betrag für Gründung, Anlaufphase und laufenden Betrieb muss eine Quelle mit passender Höhe, Laufzeit und Kosten gegenüberstehen. Eine Finanzierung ist nötig, sobald der Kapitalbedarf das Eigenkapital übersteigt.
Eine zu knappe Bedarfsrechnung erzwingt eine teure Nach- oder Zwischenfinanzierung, im schlimmsten Fall einen existenzbedrohenden Liquiditätsengpass. Eine zu großzügige Kalkulation belastet das Ergebnis mit unnötigen Zinsen für zu hohe Kredite. Bei Unsicherheit ist die großzügigere Planung die bessere Wahl: Ein nicht benötigter Kredit lässt sich zurückgeben, eine kurzfristige Nachfinanzierung ist ungleich teurer.
Zur laufenden Liquiditätsvorsorge gehören eine ausreichende Liquiditätsreserve und eine realistische Umsatzschätzung. Das gilt vor allem in der Anfangsphase, in der noch keine kostendeckenden Umsätze anfallen.
Der Abgleich folgt zwei Merkmalen: Fristigkeit und Verwendungszweck. Erst beide zusammen ergeben, welche konkrete Finanzierungsquelle eine Position deckt. So wird aus der Summe der Kosten eine Zuordnung Zeile für Zeile.
Kapitalbedarf in Gründung, Anlaufphase und laufenden Kosten erfassen
Der Kapitalbedarf setzt sich aus Gründungskosten, Investitionen und laufenden Kosten zusammen. Die laufenden Kosten zerfallen in variable und fixe Anteile. Diese Bestandteile werden in drei Zeitblöcke geordnet: Gründung – Investitionen plus Gründungskosten –, Anlaufphase bis zur Gewinnschwelle und laufender Betrieb.
In der Anlaufphase positioniert sich das Unternehmen erst am Markt. Das Kapital deckt den laufenden Betrieb und die Lebenshaltungskosten, weil noch keine kostendeckenden Umsätze anfallen. Ein negativer Kontostand in der Liquiditätsplanung ist in dieser Phase die Regel, keine Fehlentwicklung.
Grundlage jeder Schätzung ist die vollständige Erfassung der monatlichen und jährlichen Einnahmen und Ausgaben. Fehlt eine Position, ist der Bedarf zu niedrig angesetzt. Ermittelt wird der Kapitalbedarf aus der Angebots- und Kostenplanung.
Für negative Abweichungen im Geschäftsverlauf wird ein Puffer von knapp 25 Prozent auf den Kapitalbedarf aufgeschlagen. Typische Auslöser sind der Ausfall einer Maschine, ein Zahlungsausfall oder eine Steuernachzahlung.
Die Erste Sparkasse gliedert die Ermittlung in drei Teile: einmalige Investitionen, laufende Ausgaben und betriebliche Liquiditätsplanung. Die Wahl des passenden Finanzierungsinstruments kommt erst danach.
Fristigkeit und Verwendungszweck trennen
Langfristiger Kapitalbedarf betrifft das Anlagevermögen: Grundstücke, Gebäude, Maschinen und Fahrzeuge. Diese Positionen werden über mehrere Jahre genutzt und passen zu langlaufenden Darlehen oder Leasing, nicht zu kurzfristigen Linien.
Kurzfristiger Kapitalbedarf entsteht für Warenlager, Betriebsmittel und sonstige Ausgaben. Bei Warenlagern lässt sich der Bedarf über die Umschlagshäufigkeit eingrenzen: Aus Vergleichszahlen der Branche ermitteln Sie, wie oft sich das Lager im Jahr umschlägt, und daraus den durchschnittlichen Lagerbestand.
Aus der Zuordnung folgt die Quelle: Eine Investition mit langer Nutzungsdauer darf nicht aus einer Linie finanziert werden, die innerhalb eines Jahres zurückgezahlt werden muss. Bei Grundstück und Gebäude gehören neben dem Kaufpreis auch die Nebenkosten, etwa für den Makler, in die Bedarfsrechnung.
Für Grundstücke passt der ERP-Kredit: Er finanziert Investitionen und Grunderwerb und läuft bis zu 20 Jahre. Der kurzfristige Block aus Warenlager und Betriebsmitteln lässt sich über Betriebsmittelkredite decken, für die die aws eine Garantie übernehmen kann.
Finanzierungsquellen vollständig auflisten
Zur Deckung stehen Eigenmittel, Fremdmittel und Förderdarlehen zur Verfügung. Reicht das Eigenkapital, kann die Finanzierung aus Eigenmitteln im Sinne des Bootstrapping gelingen. Die Mehrzahl der Gründer:innen braucht jedoch externe Kreditgeber, etwa bei der Anschaffung von Maschinen oder beim Auffüllen des Warenlagers.
Bei jedem Angebot sind nicht nur die Zinsen zu vergleichen, sondern auch die anfallenden Nebenkosten. Nicht die Höhe der Zinsen allein entscheidet über die Kosten eines Kredits.
Förderdarlehen sind im Finanzierungsplan eine eigene Kategorie und werden neben Eigen- und Fremdmitteln ausgewiesen. Sie bringen andere Konditionen und Rückzahlungslogiken mit als ein klassischer Firmenkredit.
Die Gegenüberstellung setzt an den Blöcken an: Eigenmittel decken den Bedarf, solange sie reichen; Fremdmittel decken den langfristigen Block und das Auffüllen des Warenlagers über externe Kreditgeber; Förderdarlehen stehen als dritte Quelle daneben.
Der ERP-Kredit der aws ist ein zinsgünstiger Kredit von 10.000 bis 30 Mio. Euro mit einer Laufzeit von bis zu 20 Jahren. Er finanziert Investitionen, Grunderwerb, immaterielle Werte und gebrauchte Güter und steht Unternehmen aller Branchen mit Sitz oder Betriebsstätte in Österreich offen. Der Antrag wird vor Projektstart über die Bank gestellt.
Die aws-Garantie besichert Investitions- oder Betriebsmittelkredite bis 15 Mio. Euro bei Laufzeiten von drei bis zwanzig Jahren. Sie kann vor Projektstart über die Bank oder als Vorab-Garantie bei der aws beantragt werden. Eigene Konditionen gelten für junge Unternehmen, für das Hebeln von Eigenkapital sowie für ökologische Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Internationalisierung und Stabilisierung.
Zuschüsse ergänzen die Darlehen. Die Jungunternehmerförderung des Landes Vorarlberg beträgt 10 Prozent für Investitionen von 10.000 bis 50.000 Euro, für hauptberufliche Gründer:innen bis ein Jahr nach Gründung oder Übernahme. Der Antrag wird vor der Investition beim Amt der Vorarlberger Landesregierung, Abteilung Via, gestellt.
Die ÖHT-Jungunternehmerförderung gewährt 15 Prozent Zuschuss für Investitionen von 50.000 bis 500.000 Euro. Sie ist auf Tourismus- und Freizeitbetriebe beschränkt, die fremdfinanzieren und 25 Prozent Eigenmittel einsetzen, und gilt bis drei Jahre nach der Gründung. Der Antrag läuft vor der Investition über die finanzierende Bank an die ÖHT.
Die Neugründungsförderung nach dem NeuFöG befreit bei einer Neugründung von den Gerichtsgebühren der Firmenbucheintragung und von gewissen Lohnnebenkosten der AG von rund sechs Prozent, nicht bei Betriebsübernahmen. Infos und Antrag gibt es im Vorhinein beim Gründerservice der WKV. Derselbe Gründerservice fördert die Erstellung eines Businessplans mit bis zu 75 Prozent, maximal zwei Beratungstage.
Das Unternehmensgründungsprogramm des AMS bietet arbeitslosen Gründer:innen finanzielle Unterstützung und Coaching; der Antrag ist vor der Gründung bei der regionalen AMS-Geschäftsstelle zu stellen. Die EPU-Förderung des AMS übernimmt 25 Prozent des Bruttogehalts für höchstens zwölf Monate, wenn ein Ein-Personen-Unternehmen erstmals eine Arbeitskraft einstellt. Der Antrag erfolgt innerhalb von sechs Wochen nach Beginn des Arbeitsverhältnisses.
Für die meisten dieser Wege gilt: Der Antrag ist vor Projektstart, vor der Investition oder vor der Gründung zu stellen. Die EPU-Förderung des AMS wird abweichend davon innerhalb von sechs Wochen nach Beginn des Arbeitsverhältnisses beantragt. Der ERP-Kredit wird nicht unbesichert vergeben; erforderlich ist eine Bank- oder aws-Haftung.
Kapitalbedarf und Quellen im Finanzierungsplan gegenüberstellen
Der Finanzierungsplan stellt den zuvor ermittelten Kapitalbedarf dem zur Verfügung stehenden Eigen- und Fremdkapital sowie etwaigen Fördermitteln gegenüber. Er plant mittel- und langfristig, aus welchen Finanzierungsquellen der weitere Kapitalbedarf gedeckt werden soll.
Er ist Teil des Finanzplans und damit typischer Bestandteil eines Businessplans. Die Abgrenzung: Der Kapitalbedarfsplan zeigt, in welcher Höhe Fremdmittel benötigt werden; der Finanzierungsplan zeigt, aus welchen Quellen das Kapital stammt.
Der Finanzplan betrachtet die gesamten Finanzen des Unternehmens – Kosten, Kapitalbedarf, Umsatz und Liquidität – und gliedert sich dafür in mehrere Teilpläne.
Banken und Investor:innen gewinnen aus dem Finanzierungsplan einen schnellen Überblick darüber, wie das Unternehmen finanziell dasteht und wie hoch das Risiko eines Firmenkredits einzuschätzen ist.
Fördermittel haben eigene Antragswege und laufen über die Bank: Der ERP-Kredit und die ÖHT-Jungunternehmerförderung werden über die finanzierende Bank eingebracht, die aws-Garantie über die Bank oder direkt über die aws. Zuschussanträge des Landes Vorarlberg gehen an die Abteilung Via, die NeuFöG-Befreiung an den Gründerservice der WKV, UGP und EPU-Förderung an das AMS.
Die Gegenüberstellung erfolgt Zeile für Zeile: Auf der Bedarfsseite stehen Positionen wie Grundstück samt Maklernebenkosten, Maschinen oder Warenlager, auf der Quellenseite Eigenmittel, Fremdmittel und Förderdarlehen. Jede Bedarfsposition erhält genau eine Deckungsquelle.
Lücken, Überschüsse und Puffer sichtbar machen
Der erste Test ist die Differenz: Übersteigt der Kapitalbedarf das Eigenkapital, wird eine Finanzierung benötigt. Danach ist jede Position im Bedarfsplan einer konkreten Deckungsquelle zuzuordnen; eine Position ohne Quelle ist eine offene Lücke, keine Restgröße.
Ein verbleibender Puffer ist kein Überschuss zur freien Verfügung. Er ist für Zahlungsausfälle, Steuernachzahlungen oder den Ausfall einer Maschine gedacht. Er sollte nicht als Dauerlösung eingeplant werden, weil er sonst im laufenden Betrieb aufgebraucht ist, bevor das unvorhergesehene Ereignis eintritt.
Eine geplante Förderung ist erst dann eine Deckung, wenn der Antrag gestellt und bewilligt ist. Der ERP-Kredit etwa wird nur mit Bank- oder aws-Haftung vergeben; das ist vor dem Abgleich zu klären.
Für die Prüfung wird jede Bedarfsposition des Bedarfsplans einer Zeile des Finanzierungsplans zugeordnet. Bleibt eine Zeile leer, ist die Finanzierung nicht geschlossen und der Betrag noch nicht gedeckt.
Rückzahlung und Liquidität laufend überwachen
Die anfallenden Kreditraten müssen aus dem laufenden Betrieb bezahlbar sein. Ist das nicht gewährleistet, ist das Investitionsvorhaben zu überdenken oder eine Alternative zu suchen.
Kontostände im Auge behalten und die Liquiditätsplanung aktuell halten: Auf Probleme lässt sich nur zeitgerecht reagieren, wenn sie rechtzeitig erkennbar sind. Ausgaben minimieren senkt die Zinskosten.
Rechnungen werden unmittelbar nach Leistungserstellung oder Projektabschluss gestellt, Zahlungserinnerungen sobald das Zahlungsziel überschritten ist. Das verringert hohe Außenstände und verbessert den Cashflow. Bei Folgeaufträgen von Kund:innen mit offenen, überfälligen Rechnungen ist Vorsicht angebracht.
Bei Engpässen frühzeitig mit der Kundenbetreuerin oder dem Kundenbetreuer sprechen: Eine bereits bestehende Zahlungsunfähigkeit schränkt den Handlungsspielraum der Bank stark ein.
Die Rückzahlung folgt der Fristigkeit: Ein ERP-Kredit kann bis zu 20 Jahre laufen, eine aws-Garantie deckt drei bis zwanzig Jahre ab. Die Ratenplanung muss zu diesen Laufzeiten passen.
Schritt-für-Schritt-Checkliste für den Abgleich
- Kapitalbedarf ermittelnGründungskosten, Investitionen sowie fixe und variable laufende Kosten aus der vollständigen Einnahmen- und Ausgabenrechnung zusammenstellen. Die Anlaufphase bis zur Gewinnschwelle und die Lebenshaltungskosten einrechnen. Puffer von knapp 25 Prozent aufschlagen.
- Fristigkeit ordnenLangfristig zählt das Anlagevermögen: Grundstücke, Gebäude, Maschinen und Fahrzeuge. Davon zu trennen ist der kurzfristige Bedarf für Warenlager, Betriebsmittel und sonstige Posten.
- Finanzierungsquellen sammelnEigenmittel, Fremdmittel und Förderdarlehen auflisten. Zinsen und Nebenkosten vergleichen und die Raten gegen den laufenden Betrieb gegenrechnen.
- Finanzierungsplan aufstellenden ermittelten Kapitalbedarf und die verfügbaren Quellen gegenüberstellen. Dabei die Abgrenzung zu Kapitalbedarfsplan und Finanzplan beachten.
- Lücken schließenjede Position einer Deckungsquelle zuordnen. Einen Puffer für Zahlungsausfall, Steuernachzahlung und Maschinenausfall reservieren.
- Liquidität überwachenKontostände und Liquiditätsplan laufend aktualisieren. Rechnungen sofort nach Leistungserstellung stellen, Zahlungserinnerungen zeitnah versenden und bei Engpässen rechtzeitig die Bank kontaktieren.
Für Schritt 3 sind zusätzlich die Anlaufstellen zu klären: aws für ERP-Kredit und Garantie, ÖHT für Tourismusbetriebe, Amt der Vorarlberger Landesregierung für die Jungunternehmerförderung, Gründerservice der WKV für NeuFöG und Businessplan-Beratung sowie AMS für UGP und EPU-Förderung. Die Anträge sind je nach Förderung vor Projektstart, vor der Investition oder vor der Gründung zu stellen; die EPU-Förderung des AMS wird innerhalb von sechs Wochen nach Beginn des Arbeitsverhältnisses beantragt.
Fazit: Finanzierung nicht dem Zufall überlassen
Wer Kapitalbedarf und Finanzierungsquellen in einer Rechnung gegenüberstellt und eher großzügig als knapp kalkuliert, vermeidet teure Nach- oder Zwischenfinanzierungen und Liquiditätsengpässe.
Förderdarlehen gehören als eigene Quelle in den Finanzierungsplan. Die laufende Liquiditätskontrolle entscheidet darüber, ob die Raten tatsächlich aus dem Betrieb bezahlt werden können.
Wer Fördermittel einplant, stellt den Antrag je nach Förderung vor Projektstart, vor der Investition oder vor der Gründung; die EPU-Förderung des AMS wird innerhalb von sechs Wochen nach Beginn des Arbeitsverhältnisses beantragt. Der ERP-Kredit wird nicht unbesichert vergeben; erforderlich ist eine Bank- oder aws-Haftung.


